Chronik 1877 – 1901

Gründung der FFW Wellerstadt im Jahre 1877

(aus der Chronik von Johannes Weber zur 100 Jahrfeier 1977)

Von der eigentlichen Gründung wissen wir heute nur noch so viel, dass 9 Jahre nach der Gründung des Bayer. Landes-Feuerwehrverbandes am 13. April 1868 eine Handvoll verantwortungsbewusster Männer im Frühjahr des Jahres 1877 sich auch in Wellerstadt zusammenfanden, um eine FFW zu gründen. 

Wir haben heute kaum noch eine Vorstellung, unter welch schwierigen Umständen die Gründer sich die allernotwendigsten Ausrüstungsgegenstände beschaffen mussten, die diese sogar zum Teil – man kann es einer Reihe von Chroniken von Wehren der Umgebung entnehmen – aus eigener Tasche bezahlten.

Im Wellerstadt des Jahres 1877 mögen die „Männer der ersten Stunde“ unter ähnlichen Umständen begonnen und es nicht anders gehalten haben. Ein solcher Idealismus, für viele ein längst abgedroschener Begriff, wäre heute wohl kaum vorstellbar! 

Die „Geschichte“ der FFW in Wellerstadt kann man mit einiger Sicherheit seit 1901 anhand eines Protokollbuches nachzeichnen.

Historisches zur Gemeinde Wellerstadt

Ortskarte 1860
Luftbild
Dorfplatz Wellertstadt um 1930
Regnitzsteg Wellerstadt

Zuvor jedoch einige Anmerkungen zur Geschichte der politischen Gemeinde Wellerstadt. Diese wurde im Zuge der Gemeindereform im Jahre 1971 der Nachbarstadt Baiersdorf angegliedert.

Mit freundlicher Genehmigung des früheren Bürgermeisters von Wellerstadt, Herrn Andreas Brehm, entnehmen wir dessen persönlichen Aufzeichnungen folgendes: 

„Erstmals wird Wellerstadt urkundlich gleich zu Beginn des 11. Jahrhunderts unter dem Namen „Wählrichstatt“ (später Wählerstätt) erwähnt; immerhin 50 Jahre früher als das benachbarte Baiersdorf, das in einer Urkunde Kaiser Heinrich IV. am 13.07.1062 zum ersten Mal genannt wird.“

Nach mündlichen Überlieferungen sollen in der Gemeindeflur von Wellerstadt im Mittelalter Wahlen von Königen und Fürsten stattgefunden haben. Als Wahlplatz dienten (vermutlich) die Wässerwiesen östlich der Regnitz. Die Wahlauszählungen fanden in einem Haus mit „überaus starken Mauerwerk“ statt. Das Haus soll zu „dieser Zeit sogar zweistöckig“ gewesen sein. (Es handelte sich um das Anwesen des Landwirts Fritz Kaiser, Wellerst. Hauptstr. 27, welches in seinen Grundzügen bis in die siebziger Jahre erhalten blieb).“ 
 

Eine weitere interessante Einzelheit können wir den Aufzeichnungen entnehmen: „Ein früheres Gemeindegrundstück, heute im Besitz der Familie Schamarek, wurde im Volksmund „Rundelle“ genannt. Dieser Platz diente in früheren Zeiten Kaufleuten, die von Bayreuth nach Nürnberg zogen, als Rastplatz und Tränke für ihre Pferde. Die Anlage einer historischen Straße, die dicht an der alten B 4 über den Frankenschnellweg zum Bahnübergang Kersbach führte, ist noch in der Natur zu erkennen. Die angrenzenden Flurabteilungen heißen auch heute noch „An der Bayreuther Straße“. – Soweit der Bericht des ehemaligen Bürgermeisters. 

Während in Baiersdorf seit der Reformation bis nach dem 2. Weltkrieg hauptsächlich evangelische Mitbürger wohnten, war die Bevölkerung von Wellerstadt größtenteils katholisch. (Der Bau der kath. Kirche in Baiersdorf im Jahre 1925 ist auf die Initiative Wellerstädter Bürger um die Jahrhundertwende zurückzuführen). Heute ist das Zahlenverhältnis zwischen kath. und evang. Mitbürgern – wie in Baiersdorf selbst – nahezu ausgeglichen. 

Nach dem 2. Weltkrieg erhielt auch das wirtschaftliche Leben in Wellerstadt durch den Zuzug von Heimatvertriebenen wertvolle Impulse. Einige kleinere Betriebe ließen sich hier nieder. Sie verhalfen so wie auch eine große Anzahl von „Pendlern“ durch den kommunalen Lohnsteuerausgleich, dem schmalen „Gemeindesäckel“ zu einer Auffrischung. 

Wellerstadt ist heute als Ortsteil von Baiersdorf in die Stadt voll integriert, hat aber trotzdem seinen ursprünglichen Charakter bewahren können. Für diese Tatsache sprechen nicht nur der Erhalt der Freiwilligen Feuerwehr oder des rührigen, zwischenzeitlich leider aufgelösten Gesangvereins „Frohsinn“ oder das Bestehen einer eigenen Kriegerkameradschaft; man pflegt auch noch altes Brauchtum in seiner ursprünglichen Form, in dem man noch eine echte fränkische „Kerwa“ -in der Stadt lange Zeit vergessen -mit Baumeinholen, Betzenaustanzen und allem anderen „Drum und Dran“ zu feiern versteht! 

Diese wenigen Zeilen über die ehemals selbständige Gemeinde, dürften genügen, um dem einen oder anderen Gast des Stiftungsfestes 1977, aber auch den Mitbürgern einen kleinen geschichtlichen Überblick zu vermitteln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Authentik erhebt.