Chronik 1901 – 1927

Die Geschichte der Feuerwehr seit Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Zeit von 1901 bis 1926

Das Protokollbuch der FFW Wellerstadt beginnt unter dem Wahlspruch „Mit Gott“ auf den Seiten 1 und 2 mit einem Inhaltsverzeichnis, das bis zum Jahre 1912 in Stichworten alle Wahlen der Hauptleute und „Chargierten“, Mitgliederaufnahmen, Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen, dazu gehörten auch die damals beliebten „Fangschnüre“, und die Abhaltung von Vergnügungsbällen umfasst.

Der zweite „protokollarische“ Eintrag datiert vom 13. Januar 1901; „präsent“ waren 20 Feuerwehrmitglieder, die sich in der Wohnung des Gastgebers Friedrich Fürst versammelt hatten, um die Wahl ihrer Hauptleute und Chargierten vorzunehmen“. (Im heutigen Gasthaus „Zur Sonne“, Heutige Besitzerin: Maria Weschta).

In dieser Versammlung wurde Michael Dingfelder zum Vorstand gewählt; Kommandant wurde Johann Zenk, Adjutant Andreas Walz, Spritzenmeister Johann Hofmann, Schriftführer Georg Kaiser, Zeugwart Johann Rauh und Steiger­Kommandant Peter Kaiser.

In der Generalversammlung vom 11. Januar 1902 wählt man den damaligen Bürgermeister Roß gleich zum Vorstand, nachdem er erst in die Wehr aufgenommen wurde. (Bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg erhielt sich übrigens die Tradition, mit einigen Ausnahmen, den jeweiligen Bürgermeister auch zum Vorstand der Feuerwehr zu wählen).

Vergebens aber sucht man nach einem Hinweis auf das 25jährige Bestehen der Feuerwehr im Jahre 1902; aber auch der Einsatz bei einem Brandfall ist lange Jahre nicht zu finden. Fast ausschließlich ist von Wahlen und Neuaufnahmen die Rede. Doch hin und wieder findet man einige interessante, heute amüsant erscheinende Eintragungen, wie diese unter dem 23. Januar 1904: „Ehrenmitglieder haben das Doppelte, also monatlich 20 Pfennig. zu bezahlen … “ – oder: „Drittens wurde durch Beschluss anwesender Feuerwehrmitglieder auf das unentschuldigte Nichterscheinen beim Ausrücken 20 Pfennig Strafe auferlegt.“

Einen Eintrag möchten wir hier wegen seiner lakonischen Kürze (und unfreiwilligen Humors) wörtlich wiedergeben: Geschehen, Wellerstadt am 15. September 1910:

„Unter dem heutigen wurde an folgende Feuerwehrmitglieder durch Herrn Kommandanten Walz das Ehren-Diplom für 15 jährige Dienstzeit überreicht, 1. Herr Kommandant Walz, 2. Herr Schriftführer Kupfer, 3. Herr Hornist Fehn Johann, 4. Herr Schuhmacher Striegel Johann, 5. Herr Bahnarbeiter Striegel Johann. Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben: Kommandant Andreas Walz … „

Am 22. Dezember 1912 wird erstmals Bürgermeister Johann Kupfer Vorstand der Feuerwehr. Er bekleidet dieses Amt 25 Jahre lang bis zu seinem Tode am 10. November 1937. Vermutlich wurde damals auch das 35 jährige Stiftungsfest gefeiert, wovon ein Bild im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ heute noch Zeugnis gibt.

Im Protokollbuch finden wir leider keinen Eintrag. (Hier eine Reproduktion des Originals.)

Mannschaftsbild 1912 (Gasthaus zur Sonne, Saal)


Dass man in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg noch sehr sparsam war, belegt der Eintrag vom 10. Januar 1914: … 1. Die Jahresrechnung wird verlesen, 2. Konrad Renker und Johann Weisel „werden zu die Steiger“ vorgeschlagen, 3. Bei einer Beerdigung fällt die Maß Bier und das Essen weg und es wurde die Musik dafür bezahlt..“

Der letzte Bericht vor dem Krieg wurde am 26. April 1914 verfasst: Bei einer Versammlung wird der spätere Vorstand, Ehrenvorstand und Bürgermeister Konrad Renker erstmals zum Adjutanten gewählt.

In den vier Jahren dieses Krieges finden wir nur zwei Eintragungen: Die Generalversammlung vom 03.01.1915 und eine Ausschusssitzung am 06.02.1917. Hinweise auf Gefallene, Vermisste oder Verwundete fehlen leider.

 

Zeit nach dem 1. Weltkrieg

Bei der ersten Generalversammlung am 26.04.1919 wählen 32 Mitglieder wieder ihre „Chargierten“. Die nachfolgende Inflationszeit zeigte sich in einem ungewöhnlich hohen Kassenbestand. (5368,32 Mark im Januar 1924). Doch wird in diesem Jahr der Währungsumstellung der Beitrag wieder auf 20 Pfg. pro Monat festgelegt, der Kassenbestand schrumpfte wieder auf ein Minimum.

 

Erste Erwähnung eines Brandes

Das Protokoll vermerkt am 12.02.1922:

„In der Nacht vom 11./12. Februar, früh 1/2 1 Uhr ist dem Landwirt Georg Fehn seine Scheune abgebrannt; Feuerwehren waren anwesend: Wellerstadt und Baiersdorf.“

– Der erste protokollarische Vermerk eines Brandes überhaupt!

Welch strenge Sitten damals bei der FFW herrschten zeigt ein Eintrag unter dem 24.08.1926:

“ … 4. wurde beschlossen, wenn einer bei einer Übung fehlt ohne Entschuldigung, wird das 1. Mal mit 50 Pfg. bestraft, das 2. Mal mit 1 Mark, das 3. Mal wird er von der Feuerwehr ausgeschlossen.“

Dieser Eintrag auf Seite 47 ist bemerkenswerter Weise von niemanden unterschrieben; möglich, dass dieser Beschluss doch wohl nicht allzu ernst gemeint war.

Im Jahre 1922 löste Konrad Renker den langjährigen Kommandanten Andreas Walz ab, weil dieser vermutlich aus Krankheitsgründen sein Amt nicht mehr ausüben kann; Andreas Walz stirbt am 12. April des genannten Jahres.

 

Das 5O jährige Stiftungsfest 1927

Bei der Wiederwahl der Vorstandschaft am 2. Januar 1927 kommt erstmals die 50- Jahrfeier der FFW zur Sprache.

Der bereits im Dezember vorher beschlossene Faschingsball fällt aus, … „weil doch dieses Jahr das 50-jährige Stiftungsfest gefeiert wird, möchte da erst der Ball stattfinden, und zwar soll das Fest im Mai sein … „

vermerkt der damalige Schriftführer und Kassier Georg Fehn.

Die Folgen der Inflation waren zwar überwunden, doch eine neue wirtschaftliche Krise begann sich bereits abzuzeichnen. Darum ist allem Anschein nach auch das Fest -den Eintragungen des Protokolls zufolge -in bescheidenem Rahmen gefeiert Worden. Im knapp gehaltenen Bericht können wir nachlesen, dass der Verein“ … mit der Musik Konrad Haimann (8 Mann)“ um 3 Uhr nachmittags am Vereinslokal (Gastwirtschaft Pröschel) Aufstellung nahm, um zum Kriegerdenkmal zu ziehen. Nach einer kurzen Ansprache von Kommandant Renker, Kranzniederlegung und „einem Lied der Musik ging es durchs Dorf bis zum Hause Giering und zur Wirtschaft zurück.“ Hier saß man dann im Saal bis 7 Uhr gemütlich beisammen, um anschließend das Tanzbein zu schwingen. “ … der Ball war schön und alles ist zur Zufriedenheit abgelaufen, um 21 Uhr war es zu Ende mit dem Ball; so ist das 50- jährige Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert worden … ,“ heißt es wörtlich auf Seite 50 des Protokolls. Ob andere Wehren oder Vereine am Fest teilnahmen, ist leider nicht vermerkt, jedoch aber anzunehmen.

 

Die Jahre von 1927 bis 1947

Am 10. November 1927 stirbt der langjährige Bürgermeister und Vorstand der FFW Johann Kupfer. Sein Tod macht einem langwierigen Hin und Her um einen Herbstball – drei Versammlungen in ganz kurzen Abständen waren hierfür anberaumt – ein Ende. Die Versammlung am 10.10.1927 beschließt ein ehrendes Geleit für den um die Feuerwehr besonders verdienten Bürgermeister und Vorstand. Sein Nachfolger wird in der Generalversammlung vom 21.01.1928 Johann Fehn, HausNr. 7; die Wahl erfolgt einstimmig.

Erste Motorspritze im Landkreis Erlangen für die FFW Wellerstadt

Auf ein besonderes Ereignis konnte die Wellerstädter Wehr in den Jahren 1928/29 besonders stolz sein; die Gemeinde schafft für sie – das genaue Datum lässt sich leider nicht feststellen, auch ein diesbezüglicher Hinweis ist im Protokoll nicht zu finden – eine Motor-Spritze von der Firma Breuer-Höchst an.
Damit verfügt die Wellerstädter Wehr über die erste Motorspritze im Landkreis Erlangen überhaupt! 

 

Motorspritze Breuer-Höchst (Spritze 1929)
Mannschaftsfoto aus 1960 mit Spritze


Bei der auch im Feuerwehrwesen weit fortgeschrittenen technischen Entwicklung kann man sich heute kaum eine Vorstellung davon machen, was für eine Begeisterung dieses Ereignis ausgelöst haben mag!

Mit der Beschaffung der Spritze traten unversehens neue Probleme an die Männer der Wehr heran: Nicht nur Maschinisten mussten zunächst ausgebildet werden, sondern auch alle Aktiven waren mit dem neuen Gerät vertraut zu machen. – Die Spritze war übrigens nahezu zwei Jahrzehnte in Gebrauch und kam noch bei einem Brand im benachbarten Hausen im Jahre 1946 zum Einsatz. – Die Spritze wurde in einem mit Hartgummireifen ausgestatteten Anhänger transportiert. Den Anhänger zog ein alter Opel P4 aus den 20er Jahren.

Beispielbild Opel P4 aus 1920er Jahren


Damit war die Wellerstädter Wehr unter ihrem jungen 21jährigen Kommandanten, Konrad Hormeß, noch vor der Hausener Feuerwehr, als erste am Brandplatz. Darauf konnte sie mit Recht stolz sein. Beim Löschen platzte der Kühler des Motors. Die lecke Stelle musste von einem Mann der Wehr während des Löschvorganges behelfsmäßig mit einem Putzlappen abgedichtet werden. Keine angenehme Arbeit!

Doch sind wir der Zeit weit vorausgeeilt! Gehen wir zunächst noch einmal in das Jahr 1928 zurück. Am 19. Mai dieses Jahres wird Martin Pfister, der nach dem Krieg als Bürgermeister eingesetzt wurde, in die Wehr aufgenommen. In dieses Jahr fällt auch der Bezirksfeuerwehrtag (26. Mai) in Baiersdorf.

Die Generalversammlung am 02.02.1929 bestätigt die bisherige gesamte Vorstandschaft einstimmig auf weitere 5 Jahre: Johann Fehn als Vorstand, Konrad Renker als Kommandant; Johann Striegel wird Adjutant, Schriftführer und Kassier Georg Fehn und Peter Fick Zeugwart. Als Spritzenmeister wird Georg Barthelme bestätigt und Georg Fehn (Nr. 26) als Steigerkommandant.

In den Jahren von 1930 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges sind, wenn man von der Zeit des sogenannten „Dritten Reiches“ absieht, keine besonderen Ereignisse zu verzeichnen. Es werden einige Bezirksfeuerwehrtage, z.B. in Eltersdorf, Oberschöllenbach und Marloffstein besucht. 

 

Freiwillige Feuerwehr als „Polizeitruppe“

Im sogenannten „Dritten Reich“ kam es auch in Wellerstadt zu einigen Veränderungen. Konrad Renker blieb zwar bis zum Jahre 1937 Bürgermeister, als Kommandant löste ihn 1934 Johann Fehn ab. Da Renker es in dieser Zeit immer noch wagte, die traditionsreiche Wallfahrt der Wellerstädter Katholiken nach Gößweinstein zu organisieren und zu leiten, setzten ihn die Nationalsozialisten 1937 als Bürgermeister ab. Auch in der Feuerwehr gab es Veränderungen: Die Kommandanten wurden zu „Wehrführern“ und „höheren Orts“ ernannt. Während die übrige Vorstandschaft immer noch gewählt werden durfte, hatte der Wehrführer die Befugnis, die Adjutanten, Spritzenmeister und Steiger-Kommandanten selbst zu ernennen. Die Generalversammlungen wurden in „General-Appelle“ umfunktioniert. Unter dem 26. Januar 1935 finden wir den Eintrag, dass ab sofort die „Freiwillige Feuerwehren“ als Polizeitruppe anzusehen seien.“ Ansonsten blieb alles beim Alten.

Während der Kriegsjahre – die meisten Männer der Wehr waren zum Kriegsdienst eingezogen – wurde der Feuerschutz von etwa 20 Wellerstädter Frauen wahrgenommen.